Bandinstabilitäten und Wurzelirritationen

In meiner Einleitung zu „Was ist Chiropraktik“ bzw. „Was sind Wirbelkorrekturen“ habe ich über die Ursache von funktionellen Wirbelsäulenbeschwerden bzw. im weiteren Sinne von funktionellen Beschwerden und Schmerzzuständen des Bewegungsapparates gesprochen und bin darauf eingegangen, dass es durch bio-mechanische, bio-chemische, bio-elektrische und bio-psycho-emotionale Ebenen zu einer Dysregulation des Nervensystems mit der Folge der Ausbildung von fehlerhaften neuronalen Mustern auf Rückenmarksebene und im Gehirn kommt.

Weitere primäre Gründe für Wirbelblockaden und Gelenkbeschwerden sind grundlegende, meist von Geburt an bestehende anatomische Prädispositionen wie Skoliosen (Verkrümmungen der Wirbelsäule) und genetisch zu schwach angelegte Bandsysteme (die in der Folge zu Gelenkinstabilitäten führen können).

In diesem Fall sind die krankhaften anatomisch-strukturellen Veränderungen als primär anzusehen und der Dysfunktion des Nervensystems vorgeschaltet – auch wenn diese Veränderungen in der Folge zum selbigen führen, also zu Störungen des Nervensystems und letztendlich zu schmerzenden Wirbelblockaden bzw. schmerzender Wirbelsäulenmuskulatur. Denn der Schmerz selber wird durch eine Veränderung (eine Erhöhung) des Muskeltonus und dadurch schließlich durch die Aktivierung von Schmerzrezeptoren in der Muskulatur ausgelöst. Und was führt zu einer krankhaften Veränderung des Muskeltonus? Jetzt sind Sie gefragt – Haben Sie aufgepasst und vielleicht meine vorherigen Artikel gelesen? Was steuert die Muskulatur? Es ist das Nervensystem.

Während wir eine anatomische/genetische Wirbelsäulenverkrümmung natürlich nicht rückgängig machen können, können wir sehr wohl die Neurologie und damit den Muskeltonus und damit die Schmerzen positiv beeinflussen.

Zu schwache Bandsysteme finden wir häufig bei hypermobilen Menschen vor, also bei übermäßig beweglichen Menschen, die ihre Gelenke über das Maß des normal-physiologische Radius hinaus bewegen können. Hiervon betreue ich viele Patienten in meiner Praxis und mit Hilfe der Osteopathie und der amerikanischen Chiropraktik kann zwar häufig eine Harmonisierung des Nervensystems und eine deutliche Schmerzbefreiung erreicht werden – jedoch kann mit einer reinen manuellen Therapie keine Festigung der zu schwachen Bänder erfolgen. Bänder sind ferner auch nicht durch Sport trainierbar. Ein Bodybuilder kann noch so viel trainieren und einen massiven Muskelapparatus ausbilden – die Bänder wachsen nicht mit.

Diese Gruppe von Patienten mit instabilen Wirbelgelenken aufgrund von zu schwachen Bandsystemen erleiden häufig Rezidive, also ein Wiederauftreten von Wirbelblockaden nach wenigen Wochen oder Monaten. Die derzeit einzige, wissenschaftlich erforschte Lösung für eine Bandstabilisierung stellt die sogenannte Proliferationstherapie dar. Dies sind kleine Injektionen mit einer natürlichen Glukoselösung (mit einer dünnen Nadel) an die kleinen Bänder der Wirbelgelenke, um eine Proliferation d.h. eine Straffung und Verfestigung der Bänder zu erreichen, sodass z.B. instabile Kopfgelenke wieder stabil werden. Dies führe ich regelmäßig bei schwerwiegenden Fällen von Bandinstabilitäten in meiner Praxis durch. Gerne lesen Sie dazu mehr in meiner Rubrik Regenerative Medizin.

Denn auf meinem Praxisschild steht nicht ohne Grund „Praxis für Osteopathie und Renegenerative Medizin“.

Mein Sprichwort lautet hier immer:

Die Regenerative Medizin beginnt dort, wo die Osteopathie aufhört.

Auch bei starken strukturell-degenerativen Vorgängen von Wirbelgelenken mit Irritationen der Nervenwurzeln (häufig begleitet von Ausstrahlungen/Kribbeln in den Armen bei Halswirbelproblemen oder in den Beinen bei Lendenwirbelsäulenproblemen) kann die Regenerative Medizin helfen, die Entzündungen der Gelenkapseln, Faszien, Bänder und Sehnenansätze der kleinen Wirbelgelenke effektiv zu behandeln und eine Regeneration des Gewebes und der irritierten Nervenwurzeln zu bewirken.

Sie wollen noch mehr darüber erfahren, was ein blockierter Wirbel eigentlich ist?

Dann lesen Sie im Artikel „Was ist eine Wirbelblockade?“ weiter. Ich hoffe Sie sind interessiert das komplexe Thema zu verstehen. Aber keine Sorge – auch wenn Sie es nicht verstehen – man muss es nicht verstehen. Die Behandlung des Nervensystems über gezielte spinale Manipulationen oder „Justierungen“ (engl. Adjustments) der Wirbelgelenke entfalten ihre Wirkung auf vielfältigen Ebenen und sollen Ihnen zu mehr Vitalität, mehr Leistungsfähigkeit und mehr Wohlbefinden verhelfen. Hierfür setze ich mich fast tagtäglich ein und bin dankbar auf diese Weise arbeiten und meinen Patienten helfen zu dürfen. Die Sprache des Körpers und des Nervensystems, das regelmäßige Hineinspüren in die Gewebedynamiken, bis hinein in die „Elektrik“ des Körpers, ist ein faszinierendes Thema. Der stetigen Vertiefung und Verfeinerung meiner Wahrnehmungsfähigkeit und meiner Techniken schaue ich neugierig und achtungsvoll entgegen.

Alle Texte © Osteopathie Oldenburg – Praxis Christian Urban

Hinweis

Aufgrund der Bestimmungen des Heilmittelwerbegesetztes (HWG) muss folgender Hinweis gegeben werden: Die dargestellten Symptomatiken, Krankheitsbilder und Behandlungsmethoden werden in der Wissenschaft in ihrer Bedeutung und Tragweite nicht einheitlich beurteilt. Die Therapie der Manuellen Medizin einschließlich der osteopathischen Medizin wird in der Wissenschaft ebenso nicht einheitlich gesehen. Auch liegen diesbezüglich noch keine randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudien vor, wie es die höchstrichterliche Rechtssprechung bei gesundheitlichen Wirkaussagen in Deutschland fordert.