Regenerative Medizin

Die Regenerative Medizin (engl. Regenerative Medicine) ist ein relativ neues Feld der biologischen Medizin, welches derzeit Einzug aus dem amerikanischen Raum nach Europa findet. Es befasst sich mit der Wiederherstellung funktionsgestörter Gewebe durch die Anregung körpereigener Regenerations- und Reparaturprozesse.

Therapieformen der Regenerativen Medizin umfassen z.B.:

  • Stammzellentherapie (v.a. im Ausland praktiziert)
  • Peptidtherapie
  • Proliferationstherapie mit Glukose

Das Ziel der Regenerativen Medizin ist es, degenerative oder verletzte Gewebestrukturen, wie Sehnen, Bänder oder Gelenkkapseln zur Gewebeneubildung und Heilung anzuregen. Letztendlich sind somit alle der oben genannten Therapieformen Proliferationstherapien.

Die Philosophie und Praxis der Regenerativen Medizin steht somit beispielsweise einer Cortison-Therapie diametral entgegen. Diese setzt einen starken entzündungshemmenden Reiz und bewirkt häufig auch einen kurzfristigen schmerzstillenden Effekt. Jedoch ist eine Cortison-Therapie ihrer Natur nach katabol, d.h. Cortison wirkt abbauend oder degenerierend auf kollagene Strukturen. Trotzdem ist Cortison ein wichtiges und heute aus der Schulmedizin nicht mehr wegzudenkendes Therapeutikum, welches bei richtiger Indikation sinnvoll und in einigen Notfällen sogar lebensrettend sein kann. Bei muskuloskelletalen Krankheitsbildern wird es jedoch häufig zu schnell eingesetzt und alternative Therapieformen nicht in Erwägung gezogen.

Bei der Prolotherapie oder ausgesprochen Proliferationstherapie handelt es sich um ein Injektionsverfahren, bei dem eine hochprozentige Glukoselösung (Traubenzuckerlösung) in und an betroffene Gelenke, Sehnen oder Bänder gespritzt wird. Proliferare kommt aus dem Griechischen und bedeutet Neubildung – und für diese Neubildung (von Bindegewebe bzw. von kollagen-assoziierten Strukturen) braucht es einen Reiz. Durch den kleinen traumatischen Reiz einer sehr dünnen Injektionsnadel sowie durch die Glukoselösung kommt es zu einer Umwandlung von Fibrozyten – das sind alte, nicht mehr teilungsfähige Bindegewebszellen – in Fibroblasten. Fibro steht hier für Bindegewebe, und Blasten steht für das Aufbauen von neuem Gewebe. In Folge der Injektion produzieren die Fibroblasten neues Kollagen und regen das Wachstum von neuem Bindegewebe und Knorpel an. Auf diese Weise zielt die Proliferationstherapie darauf ab, chronische Entzündungszustände aufzulösen und die betroffenen Strukturen und Gelenke zu stabilisieren.

Durch die exakte Injektion einer Glukoselösung an Sehnenansätze, Bänder oder Gelenkapseln kommt es also zu einer Anregung eines körpereigen vermittelnden Reparaturvorganges, der zu einer Regeneration, Stabilisierung und Schmerzreduktion führt. Es kommt zu einem schnelleren Wachstum von neuem Kollagengewebe – der sogenannten Proliferation.

Im Gegensatz zu kortisonhaltigen Injektionen können wir den Therapieeffekt der Proliferationstherapie als nachhaltig beschreiben.

Anwendungsgebiete der Proliferationstherapie

  • Sehnenansatztendinosen an Schulter, Knie, Ellenbogen und Sprunggelenken
  • Degenerativen Schäden an Hand und Fuß
  • Instabile, rezidiv blockierende Wirbelgelenken infolge von laxierten Bändern oder Verschleiß
  • Instabilität an den Kopfgelenken (mit Tinnitus, Schwindel und Kopfschmerz)
  • Arthrose an Hüft- und Kniegelenk
  • Fibromyalgiesyndrom
  • FQAD (Fluoroquinolone associated disability) / Fluorchinolon-Vergiftung

Vorteile der Proliferationstherapie

  • Nachhaltiger Therapieeffekt
  • Nebenwirkungsarm
  • In allen Altersklassen anwendbar
  • Gezielter Einsatz
  • Vielseitig anwendbar
  • Kann eine Alternative zur operativen Behandlung darstellen

Risiken und Nebenwirkungen der Proliferationstherapie

  • Erstverschlechterung der Symptome, da es sich um eine Reiztherapie handelt
  • Geringes Infektionsrisiko

Gibt es Nachweise zur Wirksamkeit?

Besonders in den USA erfreut sich die Proliferationstherapie sowohl bei Osteopathen als auch bei Orthopäden eines viel höheren Bekanntheitsgrades als in Europa und gehört hier zum State-of-the-art der Regenerativen Medizin. Die Autoren Hauser et al. (2016) kamen in ihrem systematischen Review zu dem Ergebnis, dass Proliferationstherapie mit Glukose effektiv in der Behandlung von chronischen muskuloskelletalen Krankheitsbildern ist. Zwei Doppelblindstudien (Ongley et al. 1987; Klein et al. 1993) konnten bei 90% der behandelten Probanden mit Proliferationstherapie eine deutliche Besserung nachweisen.

Aufgrund der Bestimmungen des Heilmittelwerbegesetzes (HWG) muss folgender Hinweis gegeben werden: Die dargestellten Symptomatiken, Krankheitsbilder und Behandlungsmethoden werden in der Wissenschaft in ihrer Bedeutung und Tragweite nicht einheitlich beurteilt. Bei der Proliferationstherapie handelt es sich um ein alternativmedizinisches / komplementärmedizinisches Therapieverfahren, welches nicht oder noch nicht zu den allgemein anerkannten Methoden im Sinne einer Anerkennung durch die Schulmedizin gehört. Alle getroffenen Aussagen über Eigenschaften, Wirkungen und Anwendungsgebiete des vorgestellten Therapieverfahrens beruhen auf den Erkenntnissen und Erfahrungswerten in der Therapierichtung selbst.